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Feuilleton / Die kleine Zeitzeugin

Irgend etwas ist geschehen

Wo ist mein Lobbyist?

Michèle Thoma
Édition: 04.04.2014
Es ist noch nicht lange her, da glaubte ich vieles, beinahe alles. Ich war ein sehr unmisstrauischer Mensch. Ich glaubte an Gott, den Teufel, den Menschen, an mich, an den netten Onkel Doktor und die Pflänzlein, die im Frühling auf Kommando aus der Erde schießen. Nicht nur an das Gute im Hund. Es …
Und dann reden wir über Gas mit ihm

Putin allein zuhaus

Michèle Thoma
Édition: 21.03.2014
Was geht in ihm vor, Herr_in Doktor? Er schaut ein bisschen trotzig-störrisch. Finden Sie nicht auch, Herr_in Verhaltenstherapeut_in? Oder ist das schon Autismus? Was haben wir falsch gemacht? Hätte man ihn nicht besser integrieren können? Wir waren doch schon so weit, die Behandlung hatte doch …
Was war das für ein Sommer!

Die Wahrheit ist dem Menschen nicht zumutbar

Michèle Thoma
Édition: 06.09.2013
Herr, der Sommer, er war groß. Mit Meeren, Wüsten, Walen, mit Bergen, von denen wir fern sahen. Manche ruhten auch einfach nur in sich selber, vor Fernsehgeräten oder auf kleinen Balkonen, auf denen sie Blumen in die Augen schauten. Die Zeit hielt inne, denn es war Sommer, er war groß, Hitzewellen …
Die kleine Zeitzeugin

Die Fänger im Maisfeld

Michèle Thoma
Édition: 09.08.2013
Fait divers, Ingeldorf, 23. Juli Da ist einer, da ist einer drin. Da, tief drin im Maisfeld. Den suchen sie, die Armee ist da, Hunde, Dutzende Polizisten. Irgendwo da hockt er, in unserm Schweinefutter, der Schweinekerl, und muckst sich nicht. Der Feigling. Schau, Kimjimtim, siehst du die …
Er kommt doch wieder, der glühende Europäer?

Der Rumäne auf dem Dach

Michèle Thoma
Édition: 12.07.2013
Eben war mein kleines Land noch in der Kristallkugel, die man im Suvenirsbuttik kaufen konnte, neben Fähnchen mit großen, starken, roten Löwen drauf. Es regnete in der Kristallkugel, aber es flossen auch Milch und Honig und Bier und Benzin, und die Alzette floss durch die Hymne. Alle älteren Damen …
Gut geht's

Im Auto zur Bastille

Michèle Thoma
Édition: 17.05.2013
Es wird unheimlich schlimm, es wird noch schlimmer, wo sind die Bucheckern und die Brennnesseln, kann man Hasenbrot essen, ich glaube ja, Filzläuse sowieso. Es wird unheimlich schlimm, Juncker hält eine Grabrede zur Lage der Nation. Er sitzt bei einem Philosophen, der seine eigene Marke ist, und …

Den Gürtel enger schnallen

Fänk der eng Meck!

Michèle Thoma
Édition: 26.04.2013
Die fleißigen Bienchen essen wir aber nicht, gell. Die brauchen wir ja in unserer Mutter Natur pur, wer soll sonst herum sumsen, von Kelch zu Kelch? Einer muss ja bestäuben. Die Arbeiterklasse muss ja arbeiten, die kann man nicht einfach aufessen, wo kämen wir da hin. Aber die Wespen? Ab in die …

Guten Appetit, Brüder und Schwestern

Gute Wölfe, guter Hirt

Michèle Thoma
Édition: 22.03.2013
Der Papst fährt U-Bahn. Die ganze Zeit fährt er auf allen Sendern U-Bahn, dann tanzt er wieder Tango, in den Favelas, vielleicht mit Maria Magdalena, oder wäscht Füße, er kann nicht anders. Darauf hat die Kirche gewartet und die Welt mit den bösen Banker-Bonzen: auf die Demut, den sanften Blick. …

Russland. Ein Wintermärchen

Depardjow, grübelnd

Michèle Thoma
Édition: 18.01.2013
Datscha, Samowar, Nacht, tiefe. Gerardoslav Xavierowitsch Mursel Depardjow sitzt grübelnd im Schlafrock vor dem Briefbogen und kaut am Federkiel. Er taucht ihn in die Tinte, die schwarz ist wie die russische Nacht. Müde schüttelt er das mächtige Haupt und nimmt einen Schluck russischen Tees. Es …