Energieberatung

Sparen, aber wie?

d'Lëtzebuerger Land vom 17.07.2008

Ungeduld beim Mouvement écologique: Während die Energiepreise weiter steigen, stecke die Energieberatung in Luxemburg noch „in den Kinderschuhen“, beklagte die Umweltorganisation Anfang der Woche. Fast müsse man von „staatlichem Versagen“ sprechen. Die Förderprogramme in ihrer jetzigen Beschaffenheit seien „in Ordnung“, sozial Schwächeren aber sei vor allem mit einem ausgeweiteten Beratungsangebot gedient. 

Davon müssen sich ausgerechnet die beiden LSAP-Minister Lucien Lux und Jeannot Krecké angesprochen fühlen, die für die Energie­-beratung kollektiv zuständig sind. Diese wird derzeit ausgebaut, allerdings hinter den Kulissen. Mitte April veröffentlichten Lux und Krecké eine Studie des Energieinstituts Vorarlberg; auf ihrer Grundlage wird derzeit tatsächlich ein systematisches Beratungsangebot geschaffen. Mitte September, pünktlich zur Rentrée und zur Oekofoire, soll das neue Groupement d‘intérêt économique „my energy“ mit einer Kommunikations-offensive auf sich aufmerksam machen und sich als der erste Ansprechpartner für Energieberatung Suchende empfehlen.

Entsprechend verschnupft hat man in der Direktion für Energie im Wirtschaftsministerium die Pressekonferenz des Méco und Vorwürfe wie „staatliches Versagen“ aufgenommen, und dass die Umweltorganisation „erheblichen Klärungsbedarf“ in der geplanten Neustrukturierung der Agence de l‘énergie sieht. Die Energieagentur, zurzeit eine Aktiengesellschaft, an welcher der Staat 50 Prozent, die Cegedel 40 Prozent und die Société électrique de l‘Our (SEO) zehn Prozent der Anteile halten, soll nicht, wie der Méco und die Grünen das seit Jahren fordern, in eine öffentliche Struktur umgewandelt werden. Stattdessen soll sie in ihrer jetzigen Form bestehen bleiben und als Marktanbieter für Beratungen und Audits auftreten. Parallel zu ihr würde das GIE my energy – paritätisch getragen von Staat und Energieagentur – als öffentlicher Anbieter fungieren und etwa kostenlose Erstberatungen übernehmen. An dieser dualen Struktur ist eigentlich seit einem Vierteljahr nichts Geheimnisvolles. Die Berater vom Institut Vor-arlberg schlugen sie in ihrer Studie ausdrücklich vor. Hierzulande gebe es in wichtigen Segmenten der Energiedienstleistungen, vor allem in der Beratung, so gut wie gar keine privaten Anbie-ter. Ergo müsse man einen schaffen.

Wie stark aber können Beratungs-Anbieter unter Beteiligung von Energiebetrieben tatsächlich daran interessiert sein, zum Energiesparen aufzufordern? Die Frage stellt sich noch stärker, als der Méco sie aufwirft. Würde, falls die Fusionsverhandlungen zwischen Cegedel, Soteg und SaarFerngas erfolgreich verlaufen, die NewCo an Stelle der Cegedel sich an der Energieagentur beteiligen? 

Wahrscheinlich lässt sich darauf erst antworten, wenn die neue Gesellschaft steht. Noch kennt niemand ihre genaue Zusammensetzung, doch Arcelor Mittal dürfte darin eine wichtige Rolle spielen, der deutsche Energiegigant E.on vermutlich ebenfalls. Welche Aktionärsinteressen aber könnten sie in einer Gesellschaft zur Energieberatung geltend machen? Auch die Stellung des Staates in der neuen Struktur, die als Holding mit einer Netz- und einer Vertriebsgesellschaft angedacht ist, ist noch nicht klar. Der Verlauf der heimischen Energiewirtschaftsgeschichte will es, dass die Politik zum Energiesparen nicht ganz frei ist vom Vertraulichkeitsgebot, unter dem die Fusionsverhandlungen stehen. 

Peter Feist
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