Unabhängige Wochenzeitung

für Kultur, Wirtschaft und Politik

Die Themen der aktuellen Ausgabe

Wie können Sie das Land kaufen ?

Das Land ist am Kiosk, im Abonnement, für das iPad und auf ISSUU erhältlich.

Das Land abonnieren?

Das Abonnement in digitaler und/oder Papierform stellt eine Erparnis vun 30% im Vergleich zum Preis einer Ausgabe dar. Mit Ihrem Abo unterstützen Sie den unabhängigen und nachhaltigen Journlismus.

Um eine digitale Ausgabe des Land zu kaufen, folgen sie https://issuu.com/letzebuergerland.

Land E-Mail Newsletter

Um sich über den Inhalt des neuen Lëtzebuerger Land am Vorabend seiner Veröffentlichung zu informieren, abonnieren Sie die Mailingliste Lëtzebuerger Land.

leitartikel

Modern

Luc Laboulle

„La lutte contre la pauvreté constitue une priorité absolue pour le Gouvernement“, heißt es im Koalitionsabkommen von CSV und DP. In seiner Rede zur Lage der Nation verkündete der CSV-Premierminister, der DP-Familienminister arbeite „intensiv“ am „nationale Plang fir d’Präventioun an de Kampf géint d’Aarmut“.

Luc Frieden weiß wenig über Armut. Um etwas darüber zu lernen, hatte er vor vier Wochen an einem Caritas-Forum teilgenommen. Dort erfuhr er, dass in Luxemburg ein Viertel der Kinder arm ist oder an der Armutsgrenze lebt. Deshalb nahm er den Begriff Kinderarmut in seine Rede zur Lage der Nation auf. Kinderarmut wurde weder im CSV-Walprogramm, noch im Koalitionsabkommen oder in der Regierungserklärung thematisiert. Arme Kinder berühren, sie rufen Bilder von unschuldigen verelendeten Wesen hervor. Arme Erwachsene rufen Bilder von bequemen Müßiggängern und arbeitsscheuen Sozialschmarotzern hervor. „Schaffe muss sech lounen“, mahnen CSV und DP.

Dass „Schaffen“ sich hierzulande häufig nicht mehr lohnt, haben Studien der Uni Luxemburg nachgewiesen. Die Armutsgefährdungsquote der Erwerbstätigen ist die zweithöchste in der EU. 2023 ist sie laut Eurostat erneut gestiegen und liegt bei 14,8 Prozent – doppelt so hoch wie in Deutschland und Frankreich, fünfmal so hoch wie in Belgien. Die Arbeitnehmerkammer hat berechnet, dass über die Hälfte der Working (yet) Poor wöchentlich mindestens 34 Stunden arbeiten. Um das Armutsproblem zu bekämpfen, sind staatliche Zuschüsse wie Teuerungszulage und Mietsubvention ungeeignet. Sie stigmatisieren die Betroffenen und fördern die Niedriglohnkultur auf dem Arbeitsmarkt. Die Wohnungskosten werden in absehbarer Zeit nicht sinken, selbst wenn es der öffentlich subventionierten Baubranche gelingen sollte, künftig „méi a méi séier“ zu bauen. Um Armut zu bekämpfen, bedarf es struktureller Reformen. Eine davon wäre die substanzielle Erhöhung des Mindestlohns. Eine 2022 vom EU-Parlament verabschiedete Richtlinie empfiehlt, den Mindestlohn auf 60 Prozent des Median- oder 50 Prozent des Durchschnittseinkommens anzuheben. Laut OECD lag er 2022 in Luxemburg sechs bis sieben Prozent unter diesem Mindestrichtwert.

Am 28. Februar hatte CSV-Arbeitsminister Georges Mischo im Parlament angekündigt, bald einen Entwurf zur Umsetzung dieser Richtlinie vorzulegen und eine Erhöhung des Mindestlohns in Aussicht gestellt. Der Premierminister widersprach ihm am Montag gegenüber Reporter.lu: „Wir haben eine Erhöhung des Mindestlohns zu diesem Zeitpunkt nicht vorgeschlagen.“ Sie würde das Armutsproblem allein nicht lösen und hätte „andere Konsequenzen“ für die Wirtschaft. Auf Land-Nachfrage antwortete Mischo diese Woche, der Anpassungsmechanismus für den Mindestlohn sei schon größtenteils konform zur EU-Richtlinie, sodass eine Reform nicht nötig sei.

Georges Mischo hatte im Februar ebenfalls angekündigt, noch vor den Sommerferien einen in der Richtlinie vorgeschriebenen Aktionsplan zur Erhöhung der tarifvertraglichen Abdeckung (von aktuell rund 55 Prozent) auf 80 Prozent vorzulegen. Am 4. Juli will er den Sozialpartnern seinen Vorschlag unterbreiten. Vieles deutet darauf hin, dass Unternehmenstarifverträge künftig nicht mehr ausschließlich zwischen Patronat und Gewerkschaften, sondern auch zwischen Betriebsführung und ihr unterstellten Personaldelegierten verhandelt werden können. Unternehmerverbände träumen davon schon seit 100 Jahren.

„Armut ist nur ein Teil des größeren Problems der wachsenden Ungleichheiten“, sagte im RTL-Radio Christoph Butterwegge, der auf dem Caritas-Forum sprach, dem Luc Frieden beiwohnte. Als Grund für den Anstieg der Ungleichheiten machte der Politikwissenschaftler die Deregulierung des Arbeitsmarkts und den Abbau des Sozialstaats unter dem Einfluss des Neoliberalismus verantwortlich. Unter dem Vorwand, Luxemburg zu „modernisieren“, setzen CSV und DP diese Deregulierung fort. Neben der „Flexibilisierung“ von Arbeitszeitorganisation und Sonntagsarbeit gehören dazu auch die chèques emploi, mit denen Beschäftigte künftig stundenweise bezahlt werden sollen. Vordergründig sollen sie die Schwarzarbeit eindämmen, gleichzeitig könnten sie Niedriglohnsektoren wie Gaststättengewerbe und Reinigungsbranche weiter prekarisieren. Ungleichheiten schaffen gesellschaftliche Parallelwelten, sie zerstören die soziale Kohäsion. Um sie zu bekämpfen, braucht es Steuermaßnahmen, die Arme entlasten und Reiche stärker belasten. Letzteres lehnt die Regierung ab. Ungleichheiten führten zu Drogenabhängigkeit, Kriminalität und Aggressivität, warnte Butterwegge. Deshalb wollen CSV und DP den repressiven Staatsapparat weiter ausbauen.

Landkonscht

Seit April 1998, publiziert das Land eine Künstlerseite https://www.instagram.com/landkonscht.

Archiv

In Zusammenarbeit mit der Luxemburger Nationalbibliothek stellt das Lëtzebuerger Land die Gesamtheit seiner Beiträge der Öffentlichkeit zur Verfügung. Über 300 000 Text- und Bildbeiträge von der ersten Nummer vom 1. Januar 1954 bis zur vor 6 Wochen erschienenen Ausgabe stellen so ein einmaliges Archiv zur Luxemburger Zeitgeschichte dar.

Redaktionelle Linie des Lëtzebuerger Land

Mit der Herstellung der Wochenzeitung d’Lëtzebuerger Land trägt deren Redaktion zum Funktionieren einer freien, demokratischen und toleranten Gesellschaft bei. Der Schutz der Umwelt gehört zu den Hauptanliegen der Redaktion seit der Gründung der Zeitung im Jahre 1954. Die Redaktion wendet sich gegen jede Form von Autoritarismus.

d’Lëtzebuerger Land richtet sich an die Luxemburger Bevölkerung im Allgemeinen. Die Wochenzeitung informiert ihre Leserinnen und Leser über die politische, wirtschaftliche und kulturelle Aktualität des Landes, greift aber auch relevante europäische und internationale Themen auf. Die Redaktion strebt danach, die öffentliche Debatte zu bereichern, überlässt es jedoch ihrer Leserschaft, sich eigene Meinungen zu bilden. Die Éditions d’Letzeburger Land als Verlag erkennen den Daseinsgrund der Wochenzeitung darin, dass sie den Leserinnen und Lesern die Schlüssel zum Verständnis der Gesellschaft liefert.

Aufgrund des wöchentlichen Erscheinens der Zeitung besteht die journalistische Arbeit ihrer Redaktion in der Synthese der wichtigsten aktuellen Entwickungen sowie deren Analyse. Da die der Redaktion vorliegenden Informationen oft nicht vollständig sind, stellt sie eigene Nachforschungen an und trägt dazu bei, Debatten zu beleben. Es ist die Ambition der Redaktion, jede Woche eine Referenzzeitung anzubieten.

Die Fondation d’Letzeburger Land als einziger Aktionär der Éditions d’Letzeburger Land s. à r.l. garantiert die Unabhängigkeit dieser Verlagsgesellschaft.

Die Redaktion des Lëtzebuerger Land


Sven Becker

Zoubida Belgacem

France Clarinval

Peter Feist

Pierre Greiveldinger

Luc Laboulle

Stéphanie Majerus

Sarah Pepin

Pierre Sorlut

Bernard Thomas