Mit The Bad Batch erscheint heute eine weitere Animationsserie aus dem Star Wars-Universum

Gendefekt

d'Lëtzebuerger Land vom 04.06.2021

Pünktlich zum internationalen Star Wars-Tag, dem 4. Mai (das englische Datum May the Fourth ist eine phonetische Anspielung auf das Filmzitat „May the Force be with you“) erschien auf dem Streamingdienst Disney+ The Bad Batch, eine neue Animationsserie aus dem Universum der Sternenkriege, das der einstige Anhänger der New Hollywood-Bewegung und sogenannter Movie brat George Lucas vor über 40 Jahren schuf. Neben The Mandalorian oder Rebels ist es eine weitere Serie, die unter dem Disney-Konzern entstanden ist. Zeitlich knüpft die Serie unmittelbar an die Ereignisse der Episode III – Revenge of the Sith an und verfolgt so die Umstrukturierung der ehemaligen galaktischen Republik in das Imperium, das der junge Luke Skywalker in A New Hope (1977) bekämpft – der Urfilm, mit dem die nun elf Kinofilme, mehrere Animationsserien sowie unzählige Comic- und Hörbücher umfassende Star Wars-Saga einst ihren Ursprung nahm. Die Klonkriege sind beendet, die Frage nach einer Anpassung der militärischen Streitkräfte für die neue Herrschaftsstruktur stellt sich. Ein Admiral wird beauftragt, die Produktion neuer Klone einzustellen und neue Rekruten für imperiale Zwecke zu begutachten. Eine besondere Klontruppe fällt da auf. Sie ist genmanipuliert und nennt sich Bad Batch. Sie besteht nur mehr aus fünf Soldaten, ein rauer Haufen in abgenutzten Rüstungen, die sich allein schon optisch deutlich von den klinisch-weißen Klonkriegern absetzen. Im Gegensatz zu der Klonarmee, die nun allem Anschein nach ausgedient hat, neigen die Bad Batch zur Missachtung von Befehlen, es ist ein Defekt ihrer Genmanipulation und ja, sie sind zu so etwas wie moralischer Introspektion fähig. Dafür, dass Star Wars von Lucas eigentlich immer als Kinderfilm angedacht war (deshalb ist das Franchise beim Konzern des einstigen Mickey Maus-Schöpfers ja auch per se gut aufgehoben), wuchs die Saga zu einem immer reiferen Filmkosmos heran, der komplexe und anspruchsvolle Fragen auf sich vereinen will. So greift auch Bad Batch die essentiellen Fragen des Kriegsfilmgenres auf: Wie viel Pflichtbewusstsein muss ein Soldat aufbringen können? Wie viel Gehorsam oder Ungehorsam sind nötig in einer Zeit der politischen Umbrüche? Jeder einzelne dieser fünf Krieger ist von unterschiedlichen Motivationen geprägt: „Gute Soldaten folgen Befehlen“, meint da einer, andere geben sich besonnener, hinterfragen. The Bad Batch spielt in den galaktischen Nachkriegsjahren, eine Zeit also, in der ein machtbesessener Imperator, ehrgeizige Offiziere und Generäle die Gesellschaftsordnung der Galaxie neu gestalten und rücksichtslos gegen unschuldige Zivilisten und aufrührerische Widerstandskämpfer vorgehen. Abzuwarten bleibt nach der bisherigen Ausstrahlung von erst drei Folgen, inwiefern die unterschiedlichen Dynamiken innerhalb der Gruppe zu mehr Gesichtspunkten führen als die Frage nach der Hellen oder der Dunklen Seite der Macht, dem Kampf Gut gegen Böse, die noch die ersten Filme von George Lucas auszeichneten.

Dave Filoni zeichnet für The Bad Batch verantwortlich, der unter der Aufsicht von George Lucas bereits die Animationsserie The Clone Wars (2008-2021) schuf. Die Besetzung des kreativen Teams der Serie mag als Hinweis dafür stehen, wie wenig Mut in den neuen Produktionen aus der weit, weit entfernten Galaxis doch steckt. Nicht nur dient die Serie inhaltlich in erster Linie erneut lediglich als Lückenfüller – sie soll zuvorderst verständlich machen, wie die Streitmächte der Republik in die des Imperiums umgewandelt wurden – auch visuell ist die Serie so stark an The Clone Wars angelehnt, dass man sie – die Titeleinblendung der ersten Folge ist da unmissverständlich – als glatten Nachfolger annehmen muss. Daraus erwächst ein Anknüpfen an bereits Bekanntes, ein Wiedersehen mit den immer selben Figuren, auch wenn sie nur in wenigen Szenen zu sehen sind und ein Zitieren der immer gleichen Standardsituationen. Dahinter steckt geradezu symptomatisch die gewaltige Fanbase, die diese Saga trägt.

Marc Trappendreher
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