Archive
Feuilleton / Die kleine Zeitzeugin
Rote Listen, Schwarzer Peter.
Michèle Thoma
Édition: 07.08.2020
Bei einem Metzger in unserm Nachbarland sind „Luxemburger nicht willkommen“, auf ein paar deutschen Parkplätzen machen die stabilen Menschen mit den dicken Autos und der fetten Kohle plötzlich eine seltsame Erfahrung: Sie sind Verfemte. Dabei hat der Außenminister doch nun wirklich klargestellt …
Immer besser in Corona
Michèle Thoma
Édition: 31.07.2020
In Japan darf auf Achterbahnen vorbeugend nicht gekreischt werden, und die Brit/innen sollen vorbeugend abnehmen. Kein Wunder, dass die Nerven weltweit blank liegen. Andererseits wird uns grad der Lernprozess gemacht, jeden Tag lernen wir alles Unmögliche dazu.
In Baden-Württemberg steht ein …
Die Leichtigkeit des Seins
Michèle Thoma
Édition: 24.07.2020
Nichts ist mehr so einfach wie Äddi a Bojuer, bei Bojuer und Äddi nicht und bei all dem dazwischen nicht. Dem Zwischenmenschlichen. Da ist jetzt so viel dazwischen.
Die Gräben zwischen uns werden wieder breiter, besser Graben als Grab, denkt die, die erbärmlich am Leben hängt. Äddi, leichtlebige …
Die Besten im Testen
Michèle Thoma
Édition: 17.07.2020
Der luxemburgische Pass ist ein Zauberpass, die Welt sagt: Hallo! und winkt einen durch, weiter, und schon steht man am Strand, in dem Land, in das man hinein wollte. So einfach geht das. Es ist kein verfluchter Pass, mit dem man ein Flüchtling ist, eine Luxemburgerin ist eine Weltreisende, die …
Sex wie zuhause!
Michèle Thoma
Édition: 10.07.2020
Die Sexarbeiterinnen sind sexarbeitslos, und wohin mit den Herrn, die es übermannt? Der Betrieb, der für Triebe zuständig ist, altmodisches Wort, ich weiß, aber immer noch gut, lag lange lendenlahm. Zu lange. Ohne diese Systemerhalter/innen, oder nennen wir sie Systemerhalterinnen, diese Branche …
Black Magic Woman
Michèle Thoma
Édition: 03.07.2020
In einer Literatursendung stellt der Moderator einen Roman vor, dessen Protagonistin eine Pilotin ist. Der Autor ist ein Autor. Mutig, ein Mann, sagt der Moderator. Genau das gleiche hab ich auch gerade gedacht.
Mutig also, dass ein so genannter Mann einen Roman über eine so genannte Frau …
Daheim ist, wo es weh tut
Michèle Thoma
Édition: 26.06.2020
In Flugzeugen, die „Prince Louis“ hießen und wo die Stewardessen, heute profan Flugbegleiterinnen genannt, einem Bojuer zuflöteten, konnte nichts geschehen. Sofort stürzte ich mich auf Luxemburger Tageszeitungen, vor allem auf die, die in meiner Kindheit Die Zeitung hieß. Sie hatte die besten …
In der Zwischenzone
Michèle Thoma
Édition: 19.06.2020
Und dann war der Krieg vorbei, und alle fielen einander um den Hals und tanzten auf den Straßen. Huch, nein, bloß nicht! Bitte nicht übertreiben und es nicht zu bunt treiben, kopfschütteln die Virolog/innen, wir haben doch gerade ein Benehmen gelernt. Außerdem ist die Kriegsmetapher voll daneben, …
Bitte ein Meer!
Michèle Thoma
Édition: 12.06.2020
Eben erst war der kühnste Traum, den wir zu träumen wagten, der vom Alltag. Bitte, liebe Virologengötter, schenkt uns unsern Alltag wieder!, winselten wir. Der Alltag ist das Allergeilste, die beschissenen Kolleg/innen auf der beschissenen Arbeit, der Stress, das beschissene System zu erhalten …
Bilder aus Amerika
Michèle Thoma
Édition: 05.06.2020
Der Cop, mein Bro! Polizisten knien vor Demonstrant_innen, Demonstrant_innen herzen Polizisten. Mitten in einer Demo entblößt ein Polizist in einem plötzlichen Impuls den Schädel vor der Kamera, wie er direkt das Wort an den Bruder des Opfers richtet. Der CNN-Journalistin kommen die Tränen, der …
Ihr müsst es doch wissen!
Michèle Thoma
Édition: 29.05.2020
Komisch, wofür sind die da, jetzt haben wir das schon vor Monaten bestellt, wenn ich bei McDonalds auf die Taste drücke, kommt das Zeug ja auch gleich! Wie lange sollen wir noch so rumlaufen und nichts kaufen? Sex und Beten mit Mundschutz, wie lange noch?
Einer sagt dies, einer sagt das, einmal …
Ich liebe den Menschenkrach!
Michèle Thoma
Édition: 22.05.2020
Ich weiß, es war gerad so schön totenstill. Oder eher lebendig still, wie wir andächtig befanden. Was sich da alles rührte in unserer unmittelbaren Umgebung, und uns so sehr berührte. Bescheidenes Gewächs, das uns aus Ritzen und Fugen zunickte auf unseren bescheidenen Wegen, alle möglichen …
Die Ausgeschlachteten
Michèle Thoma
Édition: 15.05.2020
Schlachthof, bäh, wie unappetitlich, schon wieder so was Unappetitliches. Schlachthof, wie klingt denn das, doch nicht mehr zeitgemäß. So krude. So roh.
Nicht lange her – die Viren-Detektiv_innen waren dabei, das neugeborene Virus zu tracken –, dass wir inmitten von Blut- und Pissebächen …
Die Hundertjährige, die nicht aus dem Fenster steigt
Michèle Thoma
Édition: 08.05.2020
Erinnert ihr euch, eben noch, in der guten alten Zeit, waren sie Role Models. Die 99-jährige Fallschirmspringerin, der Methusalem-Marathonläufer, das Topmodel auf dem Catwalk mit den coolen Falten. Die coolen Alten. Eben noch topangesagt, topnachgefragt. Beste Zielgruppe, um um den Globus zu …
An einem schönen Maientag
Michèle Thoma
Édition: 01.05.2020
Ein Lenztag aus dem Bilderbuch, mit Blau und sogar schon ein bisschen Blüh und nicht nur Sprüh vom Traktorbauern. 1. Mai auch noch! Zur Feier des Feiertages holt uns meine Freundin aus dem Nachbardorf mit ihrem kleinen Sohn ab und wir fahren mit dem Auto in die Stadt, etwas ganz Besonderes.
Wir …
Wird jetzt alles anders, werden wir andere?
Michèle Thoma
Édition: 24.04.2020
Ab jetzt sind wir andere, all one! Dreimal
Native-American-Ehrenwort! Nicht mehr so egozentriert, wie sinnlos war doch unser Leben bis jetzt. Es fällt uns wie Schuppen von den Augen, welche Schuppen eigentlich? Jedenfalls kommen wir zur Erkenntnis. Wie hohl und oberflächlich das doch alles war …
The hammer and the dance
Michèle Thoma
Édition: 17.04.2020
Was klingt wie eine Wortschöpfung aus einem hochgradig verzückten Liebesgedicht, wie ein Angebot auf der Homepage eines oder einer lyrisch begabten sadistischen Dienstleister_in, ist, wie viele unter uns mittlerweile wissen, eine Taktik, eine Strategie aus dem vielgefächerten Maßnahmenkatalog. …
Pandämon hat uns im Griff
Michèle Thoma
Édition: 10.04.2020
Hin und wieder, während die Tage ins Land ziehen, die auch noch immer unverschämt länger werden, das Wasser die Mosel herabfließt, und die Sauer, und die Alzette, und die Gander, ich kann sie alle aufzählen, muss grad nirgends dringend hin, in der Apotheke war ich schon. Hin und wieder was ...? …
Fluss mit F.
Michèle Thoma
Édition: 03.04.2020
Stadt. Land. Fluss. Soll mit dem Buchstaben deines Vornamens beginnen. Aha, Mosel. Und? Nichts und. Einfach so.
Zumindest in meiner Peer Group wird eifrig, wie einst mit zehn, Fernande Frankreich Fulda ausgefüllt und bekanntgegeben. Haben die keine anderen Probleme? Zum Beispiel Symptome? Sind …
Mama und Kevin allein zuhaus
Michèle Thoma
Édition: 27.03.2020
In den ersten Tagen, in denen ein Großteil der Menschheit zum Chillen verdonnert wurde, fanden viele vieles erstmal gar nicht so übel. Der Himmel, für den sie plötzlich Zeit fanden, erwies sich als blau, wie frisch aus der Wäscherei, wie Enid Blyton einst in einem „Geheimnis um ...“ so schön …
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