Beim Geld fängt die Freundschaft an: Die Ärzteverbände AMMD und MSH (Médecins salariés du secteur hospitalier) erklärten am Mittwoch Abend eine Zusammenarbeit. Vorher hatte die AMMD-Jahresversammlung drei Motionen verabschiedet: Die Arzttarife sollen an den Punktwert im öffentlichen Dienst gebunden werden; sie sollen nie gesenkt werden können; ein Experten-Audit soll die Effizienz der Spitäler untersuchen.
MSH-Präsidentin Monique Reiff war bei der AMMD-Versammlung anwesend und bedankte sich vor der Presse bei AMMD-Präsident Chris Roller, dass die MSH einen „Beobachter“ in die Verhandlungen mit der CNS um die Konventionen für Ärzte und Zahnärztinnen entsenden kann. „Ohne Zweifel“ sei die AMMD der national repräsentative Verband.
Die Motionen gehen mehr die Politik an als die CNS. Bis zur Stahlkrise der Achtzigerjahre waren die Arzttarife an den Punktwert gekoppelt. 1982 wurde die Kopplung gestrichen, die Indexbindung der Tarife auch, und sie wurden um zehn Prozent gekürzt. Die AMMD musste 20 Jahre warten, ehe die Juncker-Polfer-Koalition die Tarife um 6,67 Prozent erhöhen ließ und die Indexierung wieder einführte. Mit der CNS soll es heute offenbar auch um Geld gehen; die AMMD erwähnte convenances personnelles und den 1. Klasse-Zuschlag im Spital. Beide waren Thema bei der letzten, vor elf Jahren gescheiterten Verhandlung mit der CNS. Die AMMD wollte zwei bis drei Mal mehr in der 1. Klasse und einen CP8, wie er in der Zahnmedizin „avec tact et mesure“ berechnet werden kann, auch für die Medizin sonst: Damit angeboten werden könne, „wofür es noch keinen Tarif gibt“; die Argumentation ähnelte der, ehe die AMMD Ende Oktober die Konventionen mit der CNS kündigte.
Die Allianz AMMD-MSH zum Geld überrascht nicht: Ob im Spital oder draußen, die Arzttarife sind dieselben. Am CHL mit angestellten Medizinern kommt hinzu, dass aus dem gemeinsamen budget médical nicht nur die Gehälter der Ärzt/innen bezahlt werden, sondern auch die Sekretariate der cabinets, die CHL-Mediziner/innen im Haus betreiben. Was ein Hinweis darauf ist, dass die pekuniären Wünsche der AMMD, mit denen sich Monique Reiff „ganz einverstanden“ erklärte, Provokationen sind, aber auch ein Weckruf ans gesamte Gesundheitssystem. Wer die Versorgung verbessern will, müsste bei der Klinikmedizin ansetzen. Ein Effizienz-Audit wäre vielleicht ein Schritt dahin. Inwieweit AMMD und MSH zu diesem Thema übereinstimmen, muss sich zeigen. Gemeinsam aber richteten Roller und Reiff die „Botschaft an die Politik“, dass der medizinische Fortschritt „etwas kostet“. Roller sagte, die AMMD wolle nicht nur mit Ministerin Martine Deprez reden, sondern auch mit „Herrn Frieden“. Auf die Frage, ob sie eine „Gewerkschaftsfront“ gebildet hätten, reagierten Reiff und Roller mit Heiterkeit.