Hilferuf der Staatsanwaltschaft

d'Lëtzebuerger Land du 06.03.2026

Am 25. Februar griff ein 14-jähriges Mädchen eine Mitschülerin mit einem Messer an. Die Verletzte kam ins Krankenhaus, die Täterin wurde in das Erwachsenengefängnis in Schrassig eingeliefert, weil in der für Jugendliche vorgesehene Unisec in Dreiborn kein Platz frei war. Doch auch die Unisec kann keine Jugendpsychiatrie ersetzen, bemängelte der Ombudsman für Kinder und Jugendliche (Okaju) Charel Schmit. In einem Schreiben fordert er dringend „sichere therapeutische und forensische Einheiten“. Einen Tag nach dem Vorfall kritisierte die Generalstaatsanwaltsanwaltschaft unter John Petry ebenfalls den Mangel an adäquaten Einrichtungen. Die Stellungnahme wurde mehrfach als „Hilferuf“ beziehungsweise „Weckruf“ an die Politik gedeutet. Am Samstag im RTL-Background bekräftigte John Petry abermals, es fehle an „geschlossenen Einrichtungen für nicht zurechnungsfähige Jugendliche“.

Welche Maßnahmen die CSV-Gesundheitsministerin nun nach dem Vorfall umzusetzen zu gedenke, wollte der CSV-Abgeordnete Ricardo Marques am Dienstag in der Chamber wissen – welche neuen Einrichtungen es Martine Deprez zufolge bedarf? Wie könnte medizinische Prävention glingen? Deprez gab in dem Kontext einige Details zum Fall bekannt: So sei die 14-Jährige in psychiatrischer Behandlung gewesen, aber ihr Arzt habe „kein akutes Problem“ festgestellt. „Mee je nodeem wéi een Trigger optrëtt, ka sech dat séier änneren“, erklärte die Ministerin in der Chamber. Den „raz le bol“ der Generalstaatsanwaltschaft habe sie vernommen; man sei dabei, die Jugendpsychiatrie auszubauen. Ab dieser Woche empfängt eine neue jugendpsychiatrische Tagesklinik in Wiltz junge Menschen zwischen 13 und 18 Jahren. Damit seien 15 neue Betreuungsplätze entstanden. Aber es fehle derzeit an einer Struktur, die zwar keine stationäre Behandlung anbietet, in der man jedoch übernachten kann und eine Rund-um-die-Uhr-Begleitung stattfinden kann. „Nach dës Wochen fänke Gespréicher doriwwer un“, versicherte Deprez. Außerdem wolle ihr Ministerium in der Stadt und in Kommunen Anlaufstellen schaffen, an denen man sich informell mit einem Psychologen unterhalten könne.

Diese Woche kam Bildungsminister Claude Meisch (DP) im Rahmen einer parlamentarischen Anfrage noch auf eine andere Kritik des Okaju zu sprechen. In Luxemburg gibt es wenig spezialisierte Einrichtungen für Kinder mit ausgeprägten Verhaltensauffälligkeiten. Der LSAP-Abgeordnete Dan Biancalana sprach in seiner Anfrage von 75 Kindern/Jugendlichen, die im Ausland untergebracht wurden (Stand Oktober 2025). Weitere 32 Minderjährige würden im Ausland eine „intensive individuelle Betreuung“ erhalten. In „bestimmten Fällen“ könne der Aufenthalt eine positive Distanz zum gewohnten Umfeld darstellen, in anderen habe das negative Auswirkungen, so das Okaju. Da Luxemburg keine hohe Einwohnerzahl aufweise, sei es „materiell schwierig, für jeden spezifischen Bedarf eine spezialisierte Betreuung anzubieten“, so Meisch. „Um die Betreuung von Jugendlichen mit psychischen Störungen zu verbessern“, plane sein Ministerium jedoch die Erweiterung von jugendpsychiatrischen Angeboten zu unterstützen.

Stéphanie Majerus
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