Am Wochenende trug Luxemburg einen Sieg im Irankrieg davon: Unter dem Kommando von Außenminister Xavier Bettel, Luxair-Direktor Gilles Feith wurden hunderte zahlungskräftige Luxair-Kunden exfiltriert. Aus der glitzernden Steueroase Dubai, 120 Kilometer vor der iranischen Küste.
Die USA, prokuristisch Israel dominieren den Nahen Osten. Nach dem Irak, Libyen, Syrien war der Iran der Letzte, der sich nicht unterordnete. Seit Jahren droht der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu, den Konkurrenten auszuschalten.
Am Purim-Fest begannen die USA, Israel einen Angriffskrieg gegen die klerikale Diktatur Iran. Purim gedenkt der Rettung der Juden. Durch Esthers Fürsprache bei Großkönig Xerxes I. von Persien.
Arbeiter, Angestellte, Beamtinnen verdienen an keinem Krieg. Sie befürchten, dass Erdöl, Erdgas teurer werden, der Index manipuliert wird. Ungelegen kommt der Krieg auch den besitzenden Klassen, Banken, Investitionsfonds, Exportindustrie. Das Statec muss bei Oxford Economics neue Konjunkturprognosen kaufen.
Ratlose Politiker versprechen stets Erlösung durch mythisches „Europa“. Doch bei Kriegsbeginn verlor Außenbeauftragte Kaja Kallas kein Wort über die Angreifer, nannte bloß den Iran „a serious threat to global security“ (X, 28.2.26). Der deutsche Kanzler Friedrich Merz applaudierte US-Präsident Donald Trump. Der französische Präsident Emmanuel Macron drohte dem iranischen Präsidenten Massud Peseschkian.
Daraufhin pflichtete Premier Luc Frieden der Zahal bei: „Den Dout vum Leader vum Iran ass vläicht eng néideg Conditioun fir Verännerung“ (Abgeordnetenkammer, 3.3.26). Die CSV versicherte: Sie sei in Gedanken beim iranischen Volk. So wie sie sonst bei den Angehörigen lieber Verstorbener ist.
ADR, CSV bereitete die Missachtung des Völkerrechts wenig Kopfzerbrechen. Andere Parteien bevorzugen Kriege mit dem Segen der Vereinten Nationen. Minister, Abgeordnete brachten die Namen der Angreifer kaum über die Lippen. Zu groß war die Angst vor dem Zorn Großkönigs Xerxes.
Einig waren sich Minister, Abgeordnete, die Schuld für den Angriff bei den Angegriffenen zu suchen. Sie schilderten die Blutrünstigkeit der iranischen Geistlichkeit. Spekulierten wie 2003 über Massenvernichtungswaffen. Sie warnten vor dem Iran als gefährlichen Schurkenstaat. Vergaßen, dass spätestens seit Gaza, Venezuela auch die USA, Israel Schurkenstaaten sind.
Gesundbeter versprechen durch anhaltende Bombardierung der Iraner einen „regime change“: Meinungsfreiheit, freie Wahlen, Frauen-Power. Doch Donald Trump, Benjamin Netanjahu, ihre Kriegsminister Pete Hegseth, Israel Katz wollten eher „bomb them back into the Stone Age“. Wollten kurdische Truppen zum Bürgerkrieg rekrutieren. Den Staat, seine Institutionen zerstören. Wie in Irak, Libyen, Palästina.
Kühne Investoren wollen „simplification administrative“. Ihre Geschäfte verlangen keinen Staatsapparat mehr. Kongo, Sahel zeigen: Kriegsherren in „failed states“ kommen billiger zu stehen als staatliche Konzessionen, Steuern.
Die Verhältnisse werden mafiöser. Präsidenten erpressen Schutzgelder aus ihren Verbündeten. Horkheimers Racket-Theorie war nicht ganz falsch. „Et ass grad, well d’Welt méi rau gëtt, datt mer eis Investissementer an eis eege Sécherheet heimeem an am Ausland musse steigeren.“ Erklärte Luc Frieden dem Parlament. Doch wer ist der Ennemi: der Iran, Russland, Venezuela, Grönland, die USA?
Die Abgeordneten breiteten ihre Spiegel-Online-Bildung aus. Sie reichte nicht zur Einordnung des Geschehens. Aber sie belebte ein diffuses Gefühl: Dass die restlose Unterwerfung des Nahen Ostens am Ende nutzbringend ist. Dass die Schlacht jenseits von Dubai auch wieder für das Luxemburger Modell, seine Werte, Wertpapiere geschlagen wird.
Also winkten CSV, DP, LSAP, Grüne, Linke den Krieg mit einer Motion durch. Sie verzichtet auf „condamner fermement l’attaque non-provoquée et injustifiée“. Wie es 2022 in der Motion zum russischen Angriff auf die Ukraine hieß.