Von der Stahltripartite, sonstigen Unannehmlichkeiten hält Luc Frieden sich fern. Nach den Filmfestspielen in Berlin reiste er am Freitag zum Parteitag der CDU in Stuttgart. Dort trat das politische Personal der deutschen Konservativen auf. Mit Dienstwagen, blauen Geschäftsanzügen, dem Dünkel der Provinz.
Die Eurodollar machten das Großherzogtum zur Zweigstelle der Deutschen Bank. Helmut Kohl machte Jean-Claude Juncker zum Filialleiter. Die CDU unterstützte die CSV mit Rat und Tat.
Stolz saß Luc Frieden in der ersten Reihe. Als Friedrich Merz wieder deutschen Führungsanspruch anmeldete. Er durfte ein Grußwort an die Kongressdelegierten richten. Im Tonfall Mark Ruttes schmeichelte er dem Kanzler: „Einen starken Leader“ brauche die CDU. „Lieber Friedrich, wir sind froh, dass du der Vorsitzende der CDU bist.“
Am Eingang empfahlen große Plakate die CDU als zuverlässigere AfD: „Wir haben von Tag 1 an eine Kurskorrektur in der Flüchtlingspolitik vollzogen.“ Luc Frieden muss die Plakate übersehen haben. Er erwähnte keine Grenzkontrollen.
Für Luc Frieden ist Friedrich Merz ein 198 cm großes Vorbild. Beide halten sich für CEO der Regierung, der Nation. Beide leiteten nie einen Betrieb. Waren Geschäftsanwälte, Lobbyisten, Tantiemenritter.
Seit Jahren stagniert die Wirtschaft. 2025 wurden in Deutschland 120 000 Industriearbeitsplätze abgebaut. In Luxemburg streichen Schlüsselbetriebe wie Arcelor-Mittal, Amazon hunderte Arbeitsplätze. Die Krise der deutschen Autoindustrie erreichte die Luxemburger Zulieferindustrie. In Deutschland beträgt die Arbeitslosenquote 6,6 Prozent, in Luxemburg 6,3 Prozent. Um aufzurüsten, vermehren die Sparapostel die Staatsschuld.
„Das deutsche Geschäftsmodell [...]: Exportstärke, globale Märkte, verlässliche Lieferketten, günstige Energie, Sicherheit vor allem durch Amerika“ ist laut Merz am Ende. „La croissance prodigieuse de ces 30 dernières années“ sei vorüber, klagte UEL-Präsident Michel Reckinger. Luxemburgs „économie s’effondre sans faire de bruit“ (Luxemburger Wort, 14.6.25).
Dabei versprachen Friedrich Merz, Luc Frieden im Wahlkampf eine „Wirtschaftswende“. Beide wurden gleich bei den Renten ausgebremst: Merz vom sozialdemokratischen Koalitionspartner, Frieden von OGBL und LCGB.
In Deutschland fordern Unternehmerlobbys eine „Reformagenda 2030“. In Luxemburg schreibt sich der Direktor der Handelskammer die Finger wund. Sie wollen die Kosten von Zöllen, Zinsen, Energie, Militarisierung auf die lohnabhängigen Klassen abwälzen. Mit längeren Arbeitszeiten, geringeren Sozialleistungen, niedrigeren Steuern, weniger Umweltschutz. Sie knüpften hohe Gewinnerwartungen an Merz und Frieden. Sie sind enttäuscht von ihnen.
Enttäuscht ist auch die Wählerschaft. 75 Prozent der im Februar von Forsa Befragten sind mit der Arbeit des deutschen Kanzlers unzufrieden. In der Beliebtheits- und Kompetenzskala der Ilres sank der Luxemburger Premier im Dezember auf Platz zwölf. Aus Angst vor den nächsten Wahlen verlangen CDU- und CSV-Mitglieder eine Rückkehr zur Volkspartei.
Zur Machtabsicherung sind Merz und Frieden Regierungs- und Parteichefs. Merz wurde ohne Gegenkandidaten als CDU-Vorsitzender wiedergewählt. In drei Wochen kandidiert Luc Frieden für seine Wiederwahl als CSV-Vorsitzender. Er wollte sich beim „lieben Friedrich“ vergewissern: Wie ein konservativer Premier seine Partei, die Wählerschaft im Griff behält.
Konservatives Publikum will beruhigt werden. Frieden kündigte im Neujahrsinterview von RTL das Ende seines Reformeifers an. Versprach „dräi Joer mat méi einfachen Dossieren“. Merz wollte sich „mit Freude und Optimismus der Zukunft zuwende[n]“. Und mit resoluter Unverbindlichkeit. „Es sprach der Wohlfühl-, nicht der Reformkanzler.“ Tadelte das Zentralorgan des DAX. „Der Reformstau in der Steuer- und der Sozialpolitik lässt sich nicht durch zuversichtliche Reden auflösen, sondern nur durch Handeln“ (FAZ, 21.2.26). Nun stehen die starken Leader als Schwätzer da.