In der Stater DP philosophieren liberale Geschäftsfrauen weiter über das Bahnhofsviertel. Nachdem die Metzgerin und Gemeinderätin Anne Kaiffer Anfang des Monats dem Wort erklärt hatte, sie habe ihre zweite Filiale in der Rue Origer unter anderem geschlossen, weil sie „nicht mehr an das Bahnhofsviertel“ glaube, erklärte nun Schöffin Corinne Cahen, die eine Filiale ihrer Schuhläden weiterhin in der Avenue de la Liberté betreibt, dem Tageblatt, sie glaube „voll“ ans „Garer Quartier“. Dabei brachte sie ihre eigenen urbanistischen Ideen ins Spiel, etwa „Terrassen oder ein kleines Karussell“ an der Ecke zwischen den beiden Avenues in der Nähe des Bahnhofplatzes oder eine Umwandlung der Avenue de la Liberté in eine Einkaufsstraße. Sie kritisierte, dass kaum Lösungen aus der Debatte hervorgehen, und zeigte sich offen für eine Leerstandssteuer. Sie „kämpft weiter“.
Damit schließt sie sich dezent Anne Kaiffers Kritik an Lydie Polfers Kurs an und präsentiert sich als mögliche Alternative für 2029. Anne Kaiffer schoss mit ihren Aussagen gegen die eigene Partei, die seit fast 57 Jahren mit unterschiedlichen Koalitionspartnern in der Verantwortung ist, und wünschte sich weitergreifende Lösungen, die sich am Ausland orientieren. Der blau-schwarze Schöffenrat um Lydie Polfer setzte die letzten Jahre gemeinsam mit CSV-Innenminister Léon Gloden vor allem auf erhöhte Polizeipräsenz und Repression. Geändert hat sich dadurch an den Sicherheitsproblemen, an Schmutz und Leerstand, an Obdachlosigkeit und Drogenhandel nichts. Schöffe Maurice Bauer (CSV) erklärte, man bringe eine Kirmes und eine Marching Band ins Bahnhofsviertel. Dort, wo Anne Kaiffers Metzgerei war, soll ein kleines Kino entstehen.
Die Retourkutsche der Opposition hatte nach Anne Kaiffers Stellungnahme nicht lange auf sich warten lassen. Tom Krieps und Franz Fayot (beide LSAP) wetterten im Wort gegen Polfers Mangel an politischem Willen. Die Grünen erkannten in der Situation des Bahnhofsviertels eine „Bankrotterklärung“ des DP-CSV-Schöffenrats sowie der Regierung. Sie plädierten erneut für hohe Investitionen in Housing-First-Initiativen, eine dezentralisierte Drogenpolitik und eine Leerstandssteuer. Diese Ideen fand Anne Kaiffer im 100,7 selber gut. Die Metzgerin versicherte dennoch, sich in der DP zuhause zu fühlen.